Hallo Robert,
die Medien schlachten deinen Suizid mächtig aus. Das ist einerseits bedauerlich und andererseits vielleicht auch förderlich für das Tabuthema Depression. Das vermag ich nicht zu veurteilen.
Dein Suizid beschäftigt mich seit Tagen, und meine Gedanken drehen sich im Kreis.
Ich denke an Deine Frau, die all die Jahre mit Dir gelitten hat und nun zwar endlich über Deine Depressionen sprechen darf - aber dich nicht mehr an ihrer Seite hat.
Ich denke an dein Baby, das nun ohne Vater aufwächst.
Ich denke an den Zugfahrer, der den Zusammenstoß mit dir nicht verhindern konnte. Ob er jemals wieder Zug fahren kann?
Ich fühle mit den Menschen, die du verlassen hast.
Ich fühle auch mit Dir, denn auch wenn meine Depressionen wegen sofortiger und sehr guter Behandlung nur temporär waren, weiss ich, wie lähmend und schrecklich diese Krankheit ist. Ich war selbst in der akuten Krankheitsphase nicht suizidgefährdet, aber DU! Und du hast es verheimlicht!
Ein gesunder Mensch, der Depressionen nicht kennt, wird Dich vermutlich nicht verstehen. Selbst ich, als ehemalige Kranke, kann nicht nachvollziehen, wieso Du Deinem behandelnden Arzt etwas vorgemacht hast. Aber ich kann und will Dich nicht verurteilen.
Weißt Du, ich bin selbst Kind eines Selbstmörders. Es fühlt sich scheisse an, trotz Abschiedsbrief.
Hoffentlich kommt Dein Baby damit klar, dass Du Dich verabschiedet hast.
Ich wünsche Dir weniger Leid dort, wo DU jetzt bist. Und Deiner Familie alles erdenklich Gute.